Referate

Behindertensport

Behindertensport

Judo - auch ein Sport für Behinderte?

Nach Prof. Jigoro Kano ist Judo im weitesten Sinne ein Studium von Körper und Geist.
Es beinhaltet ein breites Spektrum unterschiedlichster Techniken, die einfachste Bewegungsabläufe ebenso enthalten wie komplexe Bewegungsstrukturen. Daher können für viele unterschiedliche Schadensbilder jeweils adäquate Übungen angeboten werden.

Als ideales Element ist die Judo-Bodenarbeit im Bereich des Behindertensports anzusehen. Bei starken Schädigungen, insbesondere bei eingeschränktem Standvermögen, erreicht man mit Hilfe der "Haltegriffe" und den entsprechenden "Befreiungstechniken" ein hohes Maß an physischer Belastung. Das daraus resultierende Wechselspiel von "Halten" und "Befreien" ermöglicht recht schnell Kräftevergleiche zwischen den Übenden. Es kommt zu einem "Raufen nach Regeln". Vorhandene Energien und Aggressionen werden abgebaut. Der Übungsleiter kann durch die gezielte Zusammenstellung der Übungspaare relativ einfach die Vermittlung von Erfolgserlebnissen steuern. Die Judo-Bodentechniken ermöglichen, dass Behinderte unterschiedlichster Schädigungen und Gewichts ebenso problemlos miteinander trainieren können wie Behinderte und Nichtbehinderte. Durch den bei der Bodenarbeit besonders intensiven Körperkontakt lernt der Übende einerseits seinen eigenen Körper besser kennen, andererseits muss er sich gleichzeitig auf die Aktionen und Reaktionen seines jeweiligen Partners einstellen. Dabei werden Beweglichkeit und Reaktion ebenso geschult wie das Herz-Kreislauf-System und der gesamte Stütz- und Bewegungsapparat. Auch das Bewusstsein für den Bereich der persönlichen Hygiene und das soziale Verhalten des Einzelnen werden positiv beeinflusst.

Bei den Fallübungen und beim Üben von Wurftechniken wird das Verantwortungsbewusstsein des Einzelnen für seinen Partner gefordert. Durch ausgewählte Übungsformen wird der Bereich "Helfen und Sichern" erlernt und gefestigt. Zusammenfassend kann gesagt werden:

Kaum eine andere Sportart bietet eine derartige Technik- und Bewegungsvielfalt wie Judo.

  • Die Motivation, diesen Sport zu betreiben, ist besonders hoch, da Judo als etwas Exotisches gilt.
  • Es können Behinderte mit vielen unterschiedlichen Schadensbildern mit Elementen aus dem Judo sportlich beschäftigt werden. Da neben dem eigenen Körper auch noch der Partner bewegt werden muss, ist die physische Belastung relativ hoch. Sie kann noch zusätzlich durch Auswahl der Übungsformen und des Partners gesteuert werden.
  • Flexibilität und Koordination werden gefördert.
  • Speziell mit Hilfe der Bodenarbeit beim Üben von Haltegriffen und den Befreiungen aus diesen entwickeln sich kleine "Raufspiele", mit denen vorhandene Energien und Aggressionen nach Regeln abgebaut werden.
  • Als Partnersport mit intensivem Körperkontakt können neben den physischen und kognitiven Lernzielen auch positive Ziele im sozialen und emotionalen Bereich wie Hilfsbereitschaft, Verantwortungsbewusstsein, Kooperationsfähigkeit und Hygiene erreicht werden.
  • Bei den meisten Techniken können unterschiedlich Geschädigte oder Behinderte und Nichtbehinderte ohne Probleme miteinander trainieren. Dadurch wird der Integrationsgedanke entscheidend gefördert.

Im Bereich "Judo mit Behinderten" werden zwischenzeitlich viele Turniere und Sportfeste angeboten, z.B. Integrationssportfeste, Jugend trainiert für Olympia, Internat. Wettkämpfe (Grenzach-Wyhlen, Koblenz, Amsterdam, Gent usw.), Europa- und Weltmeisterschaft für Sehgeschädigte und paraolympische Sommerspiele.

Im Bereich des Württembergischen Judoverbandes steht der Behindertenbeauftragte des WJV für Fragen und Anregungen zur Verfügung.